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Retinopathie-Screening bei Frühchen
Wenn Babys viel zu früh das Licht der Welt erblicken, brauchen sie intensivste Pflege und modernste Medizintechnologie.

Hin­ter­grund: Bei Früh­ge­bo­re­nen und Neu­ge­bo­re­nen tre­ten häu­fig Augen­hin­ter­grund­ver­än­de­run­gen  auf. Die Früh­ge­bo­re­nen-Reti­no­pa­thie (Netz­hau­t­ab­lö­sung) ist Haupt­ri­siko für eine blei­bende Seh­ein­schrän­kung bis hin zur Erblin­dung. Ohne The­ra­pie liegt das Risiko für eine Netz­hau­t­ab­lö­sung mit nach­fol­gen­der Erblin­dung  bei 50%, mit zeit­ge­rech­ter Laser­the­ra­pie nur bei weni­gen Pro­zent. Das Erken­nen und Beur­tei­len der kri­ti­schen Netz­haut­ver­än­de­run­gen erfor­dern ein hohes Maß an Erfah­rung mit den typi­schen Merk­ma­len der Reti­no­pa­thie. Mit dem der­zei­ti­gen Scree­ning-Pro­gramm wer­den nicht alle Fälle recht­zei­tig erkannt.

Das Beson­dere: Abhilfe schafft ein neu ent­wi­ckel­tes digi­ta­les Weit­win­kel­ka­me­ra­sys­tem. Die so gewon­ne­nen Bild­da­ten wer­den digi­tal an ein zen­tra­les Exper­ten­zen­trum über­mit­telt. Ost­bay­ern bie­tet sich wegen der beträcht­li­chen räum­li­chen Ent­fer­nun­gen zwi­schen Peri­na­ta­l­zen­tren und Kom­pe­tenz­zen­trum beson­ders an.

So funk­tio­niert es: Alle Früh­ge­bo­re­nen mit einem Risiko für eine Netz­hau­t­ab­lö­sung wer­den ent­spre­chend der Lite­ra­tur­emp­feh­lung augen­ärzt­lich unter­sucht. Die Unter­su­chun­gen erfol­gen mit einer digi­ta­len Weit­win­kel­ka­mera (Ret­Cam120) sowie ver­glei­chend mit­tels kon­ven­tio­nel­ler indi­rek­ter Ophthal­mo­sko­pie. Die Unter­su­chun­gen wer­den in den Peri­na­ta­l­zen­tren außer­halb Regens­burgs von den bereits bis­her vor Ort täti­gen nie­der­ge­las­se­nen Augen­ärz­ten durch­ge­führt. Die Bil­der wer­den lokal gespei­chert und über zwei ISDN-Kanäle an das Kli­ni­kum der Uni­ver­si­tät Regens­burg über­mit­telt. Die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten wer­den anony­mi­siert per Email oder Fax ver­schickt. Im Kom­pe­tenz­zen­trum wer­den die über­mit­tel­ten Bil­der mit Hilfe eines neu ent­wi­ckel­ten Soft­ware-Pro­gramms ana­ly­siert. Dies erfolgt durch die Lei­te­rin der Abtei­lung und die bei­den wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter unab­hän­gig von­ein­an­der, um die indi­vi­du­elle Ein­schät­zung der Befunde zu eva­lu­ie­ren.

4.400 Untersuchungen bei Frühgeborenen fanden bisher statt.

4.400 Unter­su­chun­gen bei Früh­ge­bo­re­nen fan­den bis­her statt.

Fazit: Den früh­ge­bo­re­nen Babys wird durch das Scree­ning ein mög­li­cher­weise unnö­ti­ger und für sie gefähr­li­cher Trans­port erspart. Ver­gleicht man das digi­tale Scree­ning und die kon­ven­tio­nelle indi­rekte Ophthal­mo­sko­pie (Gold-Stan­dard) bei 78 Klein­kin­dern von der Neu­ge­bo­re­nen-Inten­siv­sta­tion in Regens­burg, so liegt die Sen­si­ti­vi­tät zur Erken­nung von behand­lungs­be­dürf­ti­gen Sta­dien bei 100%. Eine Aus­wei­tung des Pro­jekts ist geplant.

Projektdaten
Partner: Klinikum der Universität Regensburg, Perinatalzentren Augsburg, Bayreuth, Deggendorf, Landshut, Nürnberg, Neuburg an der Donau, Passau, Regensburg, Weiden