Fotos: © Junges Landestheater Bayern
Menschenerde
Ein anderer kleiner Prinz

Ein junger Prinz, unterwegs in andere Welten. Die Hauptfigur aus Antoine de Saint-Exupérys Roman ist weltbekannt, während die Geschichten der „anderen kleinen Prinzen“ unseres Alltags oft ungehört bleiben. Wer ist der moderne kleine Prinz?

Das Bühnenbild von „Menschenerde“: Ein multimediales Erlebnis.

Hintergrund: Das Projekt „Menschenerde“ ist am Jungen Landestheater Bayern entstanden. Das Theaterstück vereint die persönliche Fluchtgeschichte eines jungen Schauspielers mit Motiven aus der Erzählung „Der kleine Prinz“. Der Hauptdarsteller Haruna Munira brauchte zwei Jahre lang, um von Ghana nach Deutschland zu kommen. Wie auch der kleine Prinz lernte er von seinen Begegnungen und Verirrungen unterwegs, um zu dem zu finden, was wirklich wichtig ist.

Selfies statt Mitgefühl: Die Ablenkungen der modernen Welt sind groß.

Staunend beobachtet der andere kleine Prinz auf seiner Reise, welchen Werten in anderen Kulturen nachgeeifert wird und stellt fest, dass die Begierde nach materiellen Gütern und Selbstdarstellung zahlreiche Zivilisationskrankheiten mit sich bringt, von denen sich die Menschheit scheinbar selbst kaum noch befreien kann. Wie auch schon Saint-Exupéry übt die Aufführung Kritik an dem Wetteifern der westlichen Gesellschaften nach Besitz und stellt dabei den Bezug zu den anhaltenden Missständen in den weniger wohlhabenden Ländern der Welt her.

Über die Vergänglichkeit: Der kleine Prinz lernt anhand seiner Rose, dass Zeit kostbar ist. Worauf möchten wir sie verwenden?

Auf der Suche nach Wasser für seine Rose begegnet er der Wasserknappheit, der Sehnsucht nach der Heimat, dem Bedürfnis nach Bestätigung, der Ausbeutung von als primitiv angesehenen Kulturen durch die Konsumgesellschaften. Doch zuletzt trifft er auch auf die Hoffnung – und lernt nicht nur, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist, sondern auch, dass es die Menschlichkeit ist, die uns verbinden kann.

Das Besondere: Das Theaterstück bricht die Grenzen des poetischen Stoffes von Saint-Exupéry auf, um aktuelle Weltgeschehnisse zu erzählen, die Angst vor dem Fremden zu nehmen und neue Perspektiven zu eröffnen. Die Beschäftigung mit dem Thema des anderen kleinen Prinzen sollte jedoch bis weit über die Bühne hinausreichen: In Kooperation mit der Stiftung Zuhören und der Bayerischen Sparkassenstiftung erarbeiteten acht Jugendmediengruppen aus Oberbayern und der Oberpfalz eigene mediale Inhalte rund um die Inszenierung und brachten den kleinen Prinzen über das Projekt „Grenzgeschichten“ somit auch in den digitalen Raum.

Aziz im Interview mit Magdalena für die Grenzgeschichte „Der Fall Aziz“.

Um diese multimedialen Geschichten auch abseits des Internets erlebbar zu machen, wurden die Werke der Schülerinnen und Schüler abschließend in der begeh- und beschreibbaren Installation „Mit dem Herzen“ präsentiert. Es geht um die wahre Geschichte des „kleinen Prinzen“ Haruna Munira aus dem Theaterstück, um seine Heimat Ghana, Voodoo, Kindheitserinnerungen, aber auch um Delfine und den Bayerischen Wald. Wer sich die vielfältigen Geschichten jetzt noch ansehen (und anhören) möchte, findet diese auf dem Storytelling-Portal „Grenzgeschichten“.

Die mitgestaltbare Herz-Skulptur präsentierte die zahlreichen Video-, Bild-, Text- und Hörbeiträge.

Fazit: Das Projekt „Menschenerde – ein anderer kleiner Prinz“ hinterfragt Werte und richtet sich dabei gezielt an Schulklassen. Durch die über das Theaterstück hinausgehenden Angebote werden die Schülerinnen und Schüler aktiv eingebunden und zum Nachdenken angeregt. Die Einbindung des Portals „Grenzgeschichten“ macht die Thematik nachhaltig der Öffentlichkeit zugänglich, wodurch die Geschichte des anderen kleinen Prinzen noch mehr Menschen zum Umdenken inspirieren kann. So lebt die humanistische Botschaft Saint-Exupérys auch abseits der Literatur und der Bühne weiter.

Projektdaten
Partner: Junges Landestheater Bayern